Biographie

 

Günter Strack wurde als Mittlerer von drei Söhnen, am Dienstag, den 4.Juni 1929 in Darmstadt geboren. Seine Eltern waren der Landwirtschaftsrat Friedrich Strack und seine Frau Dorothea.
Schon wenige Tage nach Günters Geburt zog die Familie nach Michelstadt in den Odenwald und kam erst nach 8 Jahren zurück nach Darmstadt. Wahrscheinlich bezog man damals bereits ein Haus im Darmstädter Stadtteil Bessungen. Viele Jahre später, nach dem Tod seiner Mutter Dorothea, bewohnte Günter mit seiner Frau Lore das Haus einige Zeit selbst, da er von Darmstadt schneller zu den umliegenden Drehorten kam.
 
Schon im Alter von sieben Jahren begann Günters Begeisterung für das Theater. Er besuchte damals zur Weihnachtszeit mit seinen Eltern ein Märchenstück für Kinder, welches ihn so faszinierte, dass er sich nur noch den Beruf des Schauspielers als Traumberuf vorstellen konnte. Mit dreizehn Jahren gab es dann kein Halten mehr und er meldete sich als Statist am Landestheater Darmstadt. Seine erste Rolle hatte er in der Oper Troubadour. Er war von seinem ersten Mal auf der Bühne völlig berauscht und ging nun regelmäßig neben dem Gymnasium zum Theater. Günter wusste, dass seine Familie, speziell sein Vater, nicht von der Theaterwelt begeistert sein würde und so versuchte er es zu verheimlichen. Dies ging solange gut, bis ihn ein Bekannter der Familie auf der Bühne entdeckte. Es gab natürlich heftige Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der den Sohn lieber als Arzt sehen wollte. Doch schon bald erledigte sich das Thema von selbst, denn sämtliche Theater wurden wegen der Ausrufung des "totalen Krieges" geschlossen.
 
Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges wurde Günters älterer Bruder Volkmar, mit gerade mal 18 Jahren, in die Armee eingezogen. Er starb nach nur wenigen Wochen in der Eifel. Nach diesem tragischen Ereignis war die Familie tief bedrückt und der Vater hatte wohl nicht mehr die Kraft, seinem Sohn das wiederaufgenommene Theaterspielen zu verbieten. Der spielte bereits in der Spielzeit 1946/1947 wieder am Darmstädter Theater. Die Aufführungen fanden damals allerdings in der Orangerie statt, da das Landestheater im Bombenhagel der Brandnacht des 11. Septembers 1944 komplett zerstört worden war. Eigenmächtig meldete sich Günter dann vom Gymnasium ab und teilte seiner Familie den Entschluss mit, jetzt Schauspieler werden zu wollen. Nach einer erfolgreichen Aufnahmeprüfung in Frankfurt ging er 1947 nach Stuttgart an die "Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst", wo er in einem zweijährigen Studium alle Fertigkeiten für seine zukünftige Arbeit erlernte. Gleich nach dem Abschluss im Jahr 1949 erhielt er sein erstes Engagement in Oberhausen. Dort gab er sein Bühnendebüt als jungendlicher Liebhaber Ferdinand in Friedrich Schillers Stück "Kabale und Liebe".
1951, nach nur zwei Spielzeiten erhielt Günter durch den großen Intendanten Gustav Rudolf Sellner die Chance, zurück in seine Geburtsstadt Darmstadt zu kommen. Hier war er bei der Geburt des "Darmstädter Stils" unter Sellner im Orangeriehaus beteiligt.
Wiederum nach zwei Spielzeiten ging es 1953 von Darmstadt an das Staatstheater Wiesbaden.
 
Hier in Wiesbaden lernte Günter seine Frau Lore kennen. Lore besuchte eine Vorstellung des Theaters im November 1957 und verliebte sich in den blondgelockten und damals noch schlanken Günter Strack. Sie war so begeistert, dass sie ein paar Tage später wieder ins Theater ging. Diesmal in das Stück "Elisabeth von England", in dem Günter den Plantagenet spielte. Lore, deren Vater zu diesem Zeitpunkt Hessischer Kultusminister war, schmuggelte sich in die vorderste Loge, so dass Günter sie auf jeden Fall sehen musste. Als Günter sich dann beim Schlussapplaus verbeugte, erblickte er im Publikum diese wunderschöne Frau. Beide lächelten sich zu und nach der Vorstellung kam es zu einer ersten Begegnung. Nach nur 3 Monaten heirateten die beiden am 20. Februar 1958 in der Kapelle des Jagdschlosses Kranichstein bei Darmstadt.
 
Aber noch ein anderes wichtiges Ereignis fand 1958 statt, Günter hatte seinen ersten Fernsehauftritt. In einer Live-Übertragung des Hessischen Rundfunks am Sonntag, den 16.Februar 1958, um 20:40 wurde eine Aufführung der Darmstädter Lokalposse "Datterich" gezeigt. Als Datterich war Josef Offenbach zu sehen und Günter spielte den Drehergesellen Schmidt, der vom Datterich nach Strich und Faden ausgenommen wird.
Mitte des Jahres führte Günter ein neues Theaterengagement nach Hannover, wo er von 1958 bis 1965 im Ensemble blieb.
Günter, der für seine Rollen als junger Liebhaber schon immer stark auf sein Gewicht achten musste, traf hier auf den Intendanten Kurt Ehrhardt, der ihn bei Seite nahm und ihm sagte, dass es auch für stattliche Männer gute Rollen gäbe und so wechselte Günter ins Fach der Charakterrollen.
 
Neben dem Theater lieh Günter in seiner langen Laufbahn mehr als 1000 Hörspielen seine Stimme.
Auch das Fernsehen fand zunehmend Gefallen an dem jungen Mann und so spielte Günter in den frühen Tagen des Fernsehens bereits einige wichtige Rollen in verschiedenen Fernsehspielen, unter anderem in "Die Nacht in Zaandam" und "Verkündigung".
Der Regisseur Bernhard Wicki entdeckt ihn dann auf der Bühne im Theater Hannover und holte ihn 1961 für seinen Kinofilm "Das Wunder des Malachias" vor die Kamera. Diesen Film sah ein paar Jahre später der Hollywood Regisseur Alfred Hitchcock, der zu dem Zeitpunkt nach einem blondgelockten, blauäugigen Deutschen suchte. Dieser sollte in seinem neuen Thriller einen Stasiagenten der DDR spielen. Günter gefiel ihm so gut, dass er noch während der Dreharbeiten zu "Robin Hood - der edle Ritter" in Prag von Hitchcock für den Kinofilm "Der zerrissene Vorhang" engagiert wurde. Günter zögerte zwar erst das tolle Angebot aus Hollywood anzunehmen, aber Lore fasste den Entschluss, das Wagnis 1965 einzugehen.
Fast ein halbes Jahr war Günter mit seiner Frau für die Dreharbeiten in Amerika, doch das Heimweh nach Familie und Kindern holte sie zurück auf deutschen Boden.
 
Seine zunehmenden Verpflichtungen für das Fernsehen zwangen Günter 1965 endgültig aus dem festen Theaterengagement in Hannover auszusteigen und sich als freischaffender Schauspieler zu versuchen. Die Liebe zur Theaterbühne blieb aber über die Jahre weiterhin bestehen und so versuchte er jedes Jahr mindestens eine Rolle im Theater oder bei verschiedenen Festspielen zu übernehmen.
 
Kaum war Günter aus Hollywood zurück, klopfte auch schon das deutsche Kino wieder bei ihm an und er spielte 1966 an der Seite von Heinz Rühmann in "Maigret und sein größter Fall". Leider war aber zu diesem Zeitpunkt der Höhepunkt des deutschen Kinofilms bereits überschritten und so konzentrierte sich Günter wieder auf das Fernsehen, da er dessen Potenzial erkannte. So spielte er in sehr vielen Fernsehspielen mit. Einige hatten einen historischen Hintergrund, wie zum Beispiel "Revolution in Frankfurt" und "Der Thronfolger", andere waren Literaturverfilmungen, wie "Madame Bovary" und "Iwanow", oder aber einfache Unterhaltungsfilme, wie "Damenquartett" und "Flick-Flack".
In der langen Liste der Rollen sind noch viele andere bekannte und weniger bekannte Rollen. Insgesamt sollen es über 400 Fernsehauftritte gewesen sein, doch deren Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen. Wer aber doch Interesse hat, kann in der Film- und Rollenübersicht ein wenig stöbern.
 
Günters wirklich große Popularität kam aber erst Anfang der 80er mit der Serie "Ein Fall für zwei", in der er als gewitzter Anwalt Dr. Renz an der Seite des Detektivs Matula sechzig Folgen lang ermittelte. So wurde er einem Millionenpublikum bekannt und entwickelte sich zu einem der vielbeschäftigsten Schauspieler Deutschlands.
Noch während die Serie "Ein Fall für zwei" lief, bekam er eine weitere Serienrolle. Der Darmstädter Autor Robert Stromberger holte seinen langjährigen Freund Günter als "Onkel Ludwig" in die Serie "Diese Drombuschs". Diese tragische Figur des gescheiterten Menschen, der trotzdem immer wieder versucht, positiv gegen sein Schicksal zu kämpfen, gab der Serie, wie der Autor selbst sagte, ihre "wahre Substanz".
Als Günter dann auch noch "mit Leib und Seele" als Pfarrer Kempfert über den Bildschirm flimmerte und in seiner kleinen Gemeinde die Schäfchen hütete, war seine Popularität nicht mehr zu bremsen.
Nebenbei drehte Günter weiter zahlreiche Fernsehfilme, absolviert Gastrollen in anderen Serien, war Gast bei verschiedenen Fernsehshows und spielte zudem noch bei mehreren Festspielen Theater.
 
Günter versuchte sich aber auch auf ganz anderen Gebieten. Da er schon seit seiner Schauspielausbildung immer wieder mal in der einen oder anderen Rolle von seinem gesanglichen Talent Gebrauch gemacht hatte, erfüllt er sich 1990 einen lang gehegten Traum und nahm das Album "Jeden Tag ein gutes Wort" auf. Auch hier bewies er mit kritischen und heiteren Texten sein Gespür für Qualität.
Es gibt aber auch literarische Kostbarkeiten. Sein autobiographisches Buch "Ein Stück vom Glück" mit vielen privaten Anekdoten und Erinnerungen gehört einfach in jede Günter-Strack-Sammlung.
 
Anfang der 90er Jahre kam dann der Wechsel zum Privatfernsehen, da man ihm hier wieder eine neue Serie angeboten hatte, die ganz speziell auf Günter zugeschnitten war. Als "Der König" jagte Günter als pensionierter Kommissar seine Verbrecher in der ländlichen Idylle des Frankenlandes.
Nebenbei konnte er eines seiner liebsten privaten Hobbys, den Weinanbau, auch beruflich integrieren. Gedreht wurde die Serie nämlich unter anderem auf einem Weinberg, ganz in der Nähe von Günters Wohnort Münchsteinach.
 
Beruflich hatte er das Glück immer wieder mit den Topleuten des deutschen Film und Fernsehen zusammenzuarbeiten. Manche der Autoren, wie Robert Stromberger und Michael Baier, schrieben speziell für Günter, und Regisseure, wie Fritz Umgelter, Oswald Döpke und Dieter Wedel, besetzten ihn besonders gerne in ihren Stücken.
Unter seinen Kollegen war er wegen seiner Freundlichkeit und seinem schauspielerischen Können sehr beliebt. Zudem war er immer bestrebt, auch den schauspielerischen Nachwuchs zu fördern und eine Chance zu geben. Dies war auch der Grund, warum einige seiner besten Freunde und Kollegen nach seinem Tod den "Günter-Strack-Fernsehpreis" ins Leben gerufen haben. Dieser wird jedes Jahr vom Studio Hamburg als Nachwuchspreis an eine junge Schauspielerin und einen jungen Schauspieler überreicht.
Natürlich wurden auch Günters außergewöhnliches Talent selbst mit zahlreichen Preisen gewürdigt, darunter zweimal den "Bambi", zweimal die "Goldene Kamera", den "Telestar", den "Bayrische Fernsehpreis" und zahlreiche Theater- und Kritikerpreise.
 
Privat war Günter ein sehr familiärer Mensch, der diesen Ruhepol als Ausgleich zu seinem, mit unter Nerven kostenden, Beruf sah. Mit seiner Frau Lore war er über 40 Jahre verheiratet. Zusammen mit den Kindern Susanne und Michael lebten sie in dem kleinen fränkischen Ort Münchsteinach. Hier hatte Lores Vater 1963 zusammen mit Günter ein Anwesen gekauft. Als der Vater kurze Zeit später verstarb übernahmen Günter und Lore das Haus.
 
Entspannung fand Günter auf seiner Lieblingsinsel Lanzarote, wo er dem beruflichen Stress mal aus dem Wege ging und die Seele einfach mal baumeln lassen konnte. Auch die Tierliebe des Ehepaares Strack schlug sich immer wieder in ihrer Lebensgeschichte nieder. So gab es im Hause Strack immer Hunde und Katzen, meist arme Seelen aus Tierheimen oder Streuner von Lanzarote. Aber auch für alle anderen Tiere hatte man ein großes Herz und Günter half gerne mit, wenn es darum ging, sich in Tierschutzfragen zu engagieren.
Ein weiteres Hobby waren Günters Weinberge in Wasserlos und Iphofen. Zu jeder Weinlese nahm er sich extra eine Auszeit von der Schauspielerei und half tüchtig mit.
Zudem waren Günter und Lore jedes Jahr gern gesehene Gäste bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth.
 
Der zeitliche Aufwand seiner vielen stressigen Termine und die nicht immer asketische Lebensweise führten 1996 zu ersten Problemen. Nach einem Zusammenbruch durch einen Schlaganfall und einer schweren Bakterieninfektion in der Klinik, musste sich Günter, nach mehren Wochen im künstlichen Koma, einer anstrengenden Reha unterziehen, um seine Lähmungen wieder in den Griff zu bekommen.
Angeschlagen wie er war, musste er jedoch schmerzlich feststellen, dass er seinen Beruf nicht mehr so wie früher ausüben konnte. Ein schwerer Schlag für jemanden, der 50 Jahre lang nichts anderes getan hat, als Theater zu spielen oder vor der Kamera zu agieren.
 
Günter wollte zusammen mit seiner Frau Lore noch mindestens 80 Jahre alt werden und den beiden Enkelkindern, Sascha und Paul, die ihm Tochter Susanne geschenkt hatte, beim Aufwachsen zusehen.
 
Am 18.Januar 1999 verstarb Günter unerwartet in seinem Haus in Münchsteinach. Ganz Deutschland war über die Nachricht geschockt. Die große Anteilnahme von über 2000 Menschen bei seinem Begräbnis geben Zeugnis über die große Beliebtheit des Schauspielers.

 

Günter und seine Frau Lore auf einem Volksfest in Darmstadt bei einer Lesung bei einer Lesung
©Fotos von Privatvideos Familie Strack und FVCD
Sorry, für die schlechte Bildqualität - ich hoffe, bald neues Material zu bekommen.

Habe ich euch mit dieser kurzen Biografie neugierig gemacht? Dann besorgt euch doch schnell sein Buch "Ein Stück vom Glück" - denn wer kann mehr über sein Leben erzählen, als GÜNTER selbst!
 
[©August 2007]

 
Liebe Günter-Fans, ich habe hier versucht, einen kleinen Einblick in Günters Biographie zu geben. Der Text und speziell die Jahresangaben erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Verschiedene Quellen machen leider auch verschiedene Angaben! Ich habe deshalb auch nur die wichtigsten Fakten aufgezählt, bei denen ich mir sicher war, dass sie korrekt und auch biographisch wichtig sind.
 
Quellen:
  • "Günter Strack - Ein Stück vom Glück"
  • verschiedene Bücher, Theaterprogramme und Zeitungsartikel aus meinem Archiv
  • Informationen aus Fernsehinterviews und Gesprächen mit Lore Starck und anderen Wissenden

 

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